Aus dem Leben eines gebeutelten Menschen

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In einem bekannten Zoo lebte ein Lama mit einigen Eseln zusammen. Doch immer nur die Esel zu sehen empfand das Lama, dessen Name Horst war, als langweilig. So entschloss es sich eines Tages, dass es berühmt werden wollte. Doch wie sollte ein Lama wie er berühmt werden? Dazu braucht es jemanden, der des Lamas Wunsch verstand und erfüllte. Dies war des Lamas Pfleger, der diesen Wunsch schließlich wahr machte. Im Zoo wurde ohnehin jemand gesucht, der den Zoo würdig in der Öffentlichkeit vertreten konnte. Und da Horst den Wunsch äußerte, berühmt zu werden, fiel die Wahl auf ihn, wenn er auch ein wenig groß erschien. Da sein ruhiges Wesen bekannt war, wurden alle Gegenargumente vergessen, denn Horst war pflegeleicht. Leider ist der Weg des Berühmtwerdens steinig, das musste auch Horst bald erfahren. Er war immer für sein Handeln selbstverantwortlich gewesen. Niemand hatte ihm vorgeschrieben, was er zu tun oder zu lassen hatte. Doch jetzt, wo er berühmt werden sollte, musste er Dinge tun, die er verabscheute oder noch nie zuvor in seinem Leben gemacht hatte. Auf einmal wurde ihm ein Halfter über seine grazile Schnauze gestülpt, das sich sehr seltsam anfühlte du ihn einengte. Schnellstmöglich wollte er dieses schreckliche Etwas wieder von seiner Schnauze haben. Doch es war so fest an seine Schnauze angepasst, dass er sich nicht von dem Halfter befreien konnte. Als sein Pfleger ein Seil an dem Halfter befestigte, bekam Horst große Angst. Was wollte sein Pfleger von ihm? Er wusste es nicht. Was sollte mit ihm geschehen? Was hatte das alles zu bedeuten? Ich will das alles nicht, ging es Horst durch den Kopf. Er warf sich auf den Boden und versuchte sich zu befreien, doch wiederum half es nicht. So sehr sich das Lama auch wehrte, es blieb ein Gefangener des Halfters. “Horst, benimm dich!“, sagte sein Pfleger, der Mühe hatte ihn zu halten, da Horst ungeahnte Kräfte entfaltete. Aber das Lama wollte frei sein. Es wollte nicht mehr berühmt werden, sondern seine Freiheit. Seine Freiheit, die es über alles liebte. Ich will das nicht mehr!, dachte Horst und versuchte sich durch weiteres aufbäumen verständlich zu machen. Allerdings hatte Horst eine Schwäche, und das waren Möhren. Natürlich gab es auch andere Dinge, die Horst gerne fraß, doch mit Möhren ließ er sich ködern. So schloss Horst ein Abkommen mit seinem Pfleger: Er akzeptierte das Halfter und seine genommene Freiheit, wenn er im Gegenzug ab und zu eine Sonderration Möhren bekam. Bis zu des Lama ersten großen Auftritt blieb kaum Zeit. Die Tage de Übens und Gewöhnens waren wie im Flug vergangen. Dennoch war Horst noch nie unter Menschen gewesen und war es auch nicht gewöhnt, wenn fremde Personen ihn streicheln wollten. Lamas sind Fluchttiere, so auch Horst. Wenn ihm jemand Fremdes anfasste oder er sich ihm von hinten näherte, nahm Horst Reissaus. Doch in der Öffentlichkeit konnte sich Horst so etwas natürlich nicht leisten. Deshalb musste er stillhalten und seinen Urinstinkt auszuschalten. Dies war die schwerste Aufgabe, die des Lamas Pfleger ihm stellte. Tagelang wurde intensiv geübt und Horst gab sich auch alle Mühe, doch er blieb ein Fluchttier. Wenige Tage vor des Lamas ersten Auftritt zeigte sich ein Fortschritt. Horst schien sich an fremde Hände zu gewöhnen, doch waren ihm männliche Personen suspekt, die ihn einschüchterten. Damit Horst sich weiter an enge Wege durch di Masse gewöhnte, wurde er tagelang im Zoo herumgeführt. Für Horst war dies eine Qual, doch er hielt sich vor Augen, dass es der Preis war, den er für seine Berühmtheit zahlen musste. Einen Tag vor des Lamas ersten großen Auftritt kam sein Pfleger zu ihm und klopfte Horst freundschaftlich auf den Hals. „Du hast es geschafft, Horst. Morgen ist dein großer Auftritt“. Aufgeregt lief Horst den ganzen Tag im Gehege umher. Die Esel verstanden nicht, was mit ihm geschehen war. Schließlich kamen sie zu dem Schluss, dass Horst verrückt geworden war. Die ständige Einsamkeit habe ihn verrückt gemacht, deshalb habe sein Pfleger in der letzten Zeit sich sehr intensiv um ihn gekümmert, um Schlimmeres zu verhindern. Am Nachmittag wurde Horst noch einmal geholt, um die verinnerlichten Dinge noch einmal zu üben und für morgen einzuprägen. Horst wurde durch den Zoo geführt und dann von fremden Personen gestreichelt. Diese beiden Aufgaben bestand er mit Bravour, nur das Treppensteigen bereitete ihm Probleme. Er hatte es bis zu dem Tag nur einmal ausprobiert, hatte nach einer Treppenstufe damals aufgegeben. Doch nun nahm er die ganze Treppe, um seinen Zoodirektor zu besuchen, der ihn am nächsten Tag in der Öffentlichkeit bekannt machen sollte. In der Nacht machte Horst kein Auge zu. Er war aufgeregt, doch fragte er sich auf einmal, ob es richtig gewesen war, berühmt zu werden. Sollte er nicht sein weiteres Leben wie bisher führen und auf seine Berühmtheit verzichten? Es dämmerte bereits, als Horst doch noch einschlief. Sein Schlaf war unruhig, träumte er, dass die Schlinge seines Halfters ihn erwürgte. Der große Tag war da. Nur wenig hatte Horst fressen können vor lauter Aufregung. Am Nachmittag wurde es ernst. Horst wurde zur Musikhalle gebracht, wo er hinter den Kulissen auf seinen großen Auftritt warten musste. Äußerlich wirkte er ruhig, doch innerlich war es ihm unmöglich klar zu denken. Dann hörte er den Zoodirektor seinen Namen rufen und sein Pfleger führte ihn auf die Bühne. Horst blieb erstaunlich ruhig, die Masse flößte ihm keine Angst ein, doch als die Menschen anfingen zu klatschen, wollte er auf und davon. Als ahne der Zoodirektor, was in Horst vor sich ging, legte er seinen Arm um des Lamas Hals, damit dieses nicht weglaufen konnte. Horst gab sich geschlagen und als ihm eine dicke Möhre als Belohnung versprochen wurde, akzeptierte er seine ausweglose Situation. Dann war der Auftritt vorbei und Horst wurde in den Zoo zurückgebracht. Die Esel erwarteten ihn bereits und waren froh, ihn wiederzusehen. Horst erzählte ihnen von seinem Abenteuer, doch die Esel hielten es für erlogen. So behielt Horst für sich, dass er nun berühmt war. Sollten die Esel doch von ihm denken, was sie wollten. Er war Lama Horst, und er war berühmt.
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